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Kurzfassung

Als Ersatz für das entfallene Transrapid-Projekt Berlin - Hamburg werden inzwischen 5 neue Anwendungsstrecken diskutiert, beispielsweise der "Metrorapid" im Ruhrgebiet. Doch diese Trassen werden alle durch flache Landschaften verlaufen, sollen für den Hochgeschwindigkeitsverkehr mit Geschwindigkeiten von 300 bis 450 km/h ausgelegt sein und werden, da sie keine bzw. nur sehr wenige Zwischenhalte aufweisen, nur dem Fernverkehr dienen. Deshalb sind diese Lösungen kaum geeignet, die tatsächlichen Vorteile des magnetischen Schwebens zu demonstrieren, nämlich (1) Lärmarmut, was ein Durchfahren dichtbesiedelter Regionen ohne Tunnels erlaubt, (2) Bedienung von Zwischenhalten ohne großen Zeitverlust wegen des hohen Beschleunigungsvermögens und (3) Befahren von Steilstrecken wegen des großen Steigvermögens der Magnet-Schwebezüge.

Als Alternativen werden hiermit weitere Magnetbahn-Trassen vorgeschlagen, und zwar eine sternförmige Strecke im Rhein-Ruhr-Gebiet und Bergischen Land von Essen über Velbert nach Düsseldorf und nach Remscheid sowie eine zweite im Ballungsraum Mittlerer Neckar von Stuttgart Hbf über Stuttgart Flughafen nach Reutlingen und Tübingen. Sie sollen lediglich Geschwindigkeiten von 100 bis 250 km/h - auf einem kurzen Abschnitt bei Düsseldorf auch bis zu 280 km/h - zulassen und allein dem Regionalverkehr dienen. Um diese beiden Trassen-Vorschläge incl. der dazu gehörenden Fahrzeuge vom bisher diskutierten Fernverkehrs-Transrapid zu unterscheiden, wird die Bezeichnung "Regiorapid" gewählt.

Die beiden Achsen von Essen nach Düsseldorf und Remscheid sowie von Stuttgart nach Tübingen sind dadurch gekennzeichnet, daß sie durch dicht besiedelte Regionen verlaufen und somit ein hohes Verkehrsaufkommen aufweisen, daß ihre Topographie herkömmliche Schienenstrecken ohne zeitraubende Umwege gar nicht bzw. nur mit aufwendigen Tunnels zuläßt und daß sie ein Autobahn- und Schnellstraßennetz besitzen, das gerade wegen des Fehlens attraktiver Eisenbahnverbindungen überlastet ist.

Um die Baukosten stark zu reduzieren und auf diese Weise tatsächlich wirtschaftliche Magnetbahn-Projekte zu erreichen, werden die beiden Anwendungsstrecken prinzipiell eingleisig gebaut. Alle Zugbegegnungen finden in den zahlreichen zweigleisigen Unterwegsbahnhöfen statt. Wegen der kurzen Haltestellen-Abstände ist trotz Eingleisigkeit eine Zugfolge im 12- bzw. 15-Minuten-Takt möglich.

Die Baukosten für die 68 km lange Strecke Essen - Düsseldorf/Remscheid betragen rund 2 Mrd. DM und somit nur rund 15% der Summe, welche für den kompletten "Metrorapid" im Ruhrgebiet veranschlagt wird. Für die 48,5 km lange Strecke Stuttgart - Tübingen ist mit rund 1,2 Mrd. DM zu rechnen. Zugleich reduzieren sich die Baukosten für das Projekt "Stuttgart 21" (Bau eines Tunnelbahnhofs in Stuttgart) plus neue ICE-Strecke nach Ulm um ca. 500 Mio. DM, da der bislang zwischen Stuttgart Hbf und Stuttgart Flughafen geplante extrem teure Eisenbahn-Tunnel entfallen kann. Somit kann die vorgeschlagene Regiorapid-Strecke entscheidend zur Realisierung von "Stuttgart 21" beitragen.

Die Gesamtfahrzeit von Essen bis Remscheid beträgt trotz 12 Zwischenhalten lediglich 31 Minuten, wobei im Durchschnitt eine Geschwindigkeit von 91 km/h erreicht wird, ähnlich hoch wie die der ICE-Züge zwischen Dortmund und Köln. Von Heiligenhaus-Velbert bis zum Flughafen Düsseldorf ist man sogar nur 9 Minuten unterwegs. Von Stuttgart nach Tübingen dauert die Fahrt im Regiorapid bei 5 Unterwegshalten lediglich 22 Minuten. Hier ist das Durchschnitts-Tempo mit 133 km/h fast so hoch wie im ICE-Verkehr von Stuttgart bis Frankfurt (Main). Die Fahrzeiten werden gegenüber dem heutigen Schienenverkehr durch die Magnetbahn sowohl an Rhein und Ruhr als auch am Neckar um rund die Hälfte bis zwei Drittel verkürzt, in einzelnen Relationen sogar um drei Viertel.

Die beiden Regiorapid-Trassen Essen - Düsseldorf/Remscheid und Stuttgart - Tübingen sind ideale Vorbilder dafür, wie Personenverkehr in Ballungsräumen mit schwieriger Topographie wirtschaftlich bewältigt werden und eine attraktive Alternative zum staugefährdeten Autoverkehr darstellen kann. Angesichts der Tatsache, daß weltweit die Zahl und Größe der Ballungszentren, insbesondere in den Schwellenländern in Asien und Südamerika, stark zunimmt und diese ausufernden Megastädte keinen leistungsfähigen Öffentlichen Personenverkehr besitzen, besteht hier ein großes Potential zum Einsatz der deutschen Magnetschwebe-Technik. Diese Exportchancen fehlen hingegen dem kaum wirtschaftlichen Fernverkehrs-Transrapid.

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