Als Alternativen werden hiermit weitere Magnetbahn-Trassen vorgeschlagen, und zwar eine sternförmige Strecke im Rhein-Ruhr-Gebiet und Bergischen Land von Essen über Velbert nach Düsseldorf und nach Remscheid sowie eine zweite im Ballungsraum Mittlerer Neckar von Stuttgart Hbf über Stuttgart Flughafen nach Reutlingen und Tübingen. Sie sollen lediglich Geschwindigkeiten von 100 bis 250 km/h - auf einem kurzen Abschnitt bei Düsseldorf auch bis zu 280 km/h - zulassen und allein dem Regionalverkehr dienen. Um diese beiden Trassen-Vorschläge incl. der dazu gehörenden Fahrzeuge vom bisher diskutierten Fernverkehrs-Transrapid zu unterscheiden, wird die Bezeichnung "Regiorapid" gewählt.
Die beiden Achsen von Essen nach Düsseldorf und Remscheid sowie von Stuttgart nach Tübingen sind dadurch gekennzeichnet, daß sie durch dicht besiedelte Regionen verlaufen und somit ein hohes Verkehrsaufkommen aufweisen, daß ihre Topographie herkömmliche Schienenstrecken ohne zeitraubende Umwege gar nicht bzw. nur mit aufwendigen Tunnels zuläßt und daß sie ein Autobahn- und Schnellstraßennetz besitzen, das gerade wegen des Fehlens attraktiver Eisenbahnverbindungen überlastet ist.
Um die Baukosten stark zu reduzieren und auf diese Weise tatsächlich wirtschaftliche Magnetbahn-Projekte zu erreichen, werden die beiden Anwendungsstrecken prinzipiell eingleisig gebaut. Alle Zugbegegnungen finden in den zahlreichen zweigleisigen Unterwegsbahnhöfen statt. Wegen der kurzen Haltestellen-Abstände ist trotz Eingleisigkeit eine Zugfolge im 12- bzw. 15-Minuten-Takt möglich.
Die Baukosten für die 68 km lange Strecke Essen - Düsseldorf/Remscheid betragen rund 2 Mrd. DM und somit nur rund 15% der Summe, welche für den kompletten "Metrorapid" im Ruhrgebiet veranschlagt wird. Für die 48,5 km lange Strecke Stuttgart - Tübingen ist mit rund 1,2 Mrd. DM zu rechnen. Zugleich reduzieren sich die Baukosten für das Projekt "Stuttgart 21" (Bau eines Tunnelbahnhofs in Stuttgart) plus neue ICE-Strecke nach Ulm um ca. 500 Mio. DM, da der bislang zwischen Stuttgart Hbf und Stuttgart Flughafen geplante extrem teure Eisenbahn-Tunnel entfallen kann. Somit kann die vorgeschlagene Regiorapid-Strecke entscheidend zur Realisierung von "Stuttgart 21" beitragen.
Die Gesamtfahrzeit von Essen bis Remscheid beträgt trotz 12 Zwischenhalten lediglich 31 Minuten, wobei im Durchschnitt eine Geschwindigkeit von 91 km/h erreicht wird, ähnlich hoch wie die der ICE-Züge zwischen Dortmund und Köln. Von Heiligenhaus-Velbert bis zum Flughafen Düsseldorf ist man sogar nur 9 Minuten unterwegs. Von Stuttgart nach Tübingen dauert die Fahrt im Regiorapid bei 5 Unterwegshalten lediglich 22 Minuten. Hier ist das Durchschnitts-Tempo mit 133 km/h fast so hoch wie im ICE-Verkehr von Stuttgart bis Frankfurt (Main). Die Fahrzeiten werden gegenüber dem heutigen Schienenverkehr durch die Magnetbahn sowohl an Rhein und Ruhr als auch am Neckar um rund die Hälfte bis zwei Drittel verkürzt, in einzelnen Relationen sogar um drei Viertel.
Die beiden Regiorapid-Trassen Essen - Düsseldorf/Remscheid und Stuttgart - Tübingen
sind ideale Vorbilder dafür, wie Personenverkehr in Ballungsräumen mit schwieriger
Topographie wirtschaftlich bewältigt werden und eine attraktive Alternative
zum staugefährdeten Autoverkehr darstellen kann. Angesichts der Tatsache, daß
weltweit die Zahl und Größe der Ballungszentren, insbesondere in den Schwellenländern
in Asien und Südamerika, stark zunimmt und diese ausufernden Megastädte keinen
leistungsfähigen Öffentlichen Personenverkehr besitzen, besteht hier ein großes
Potential zum Einsatz der deutschen Magnetschwebe-Technik. Diese Exportchancen
fehlen hingegen dem kaum wirtschaftlichen Fernverkehrs-Transrapid.